Ein Gespräch über den Wolken

Ein Gespräch über den Wolken

neue und alte Herausforderungen

Alleine zu Reisen hat auch den Vorteil, dass man schnell mit anderen Menschen ins Gespräch kommt. Im Flug von Zürich nach Johannesburg sitzt neben mir eine Schweizerin um die siebzig und erzählt mir aus ihrem Leben.

Sie war Krankenschwester und nach der Pensionierung hat es sie, auf der Suche nach einer neuen Herausforderung nach Südafrika verschlagen. Dort war sie zwei Jahre für ein dänisches Hilfswerk in der Aidsprävention tätig. Keine einfache Aufgabe, wie sie sagt. Aids ist und bleibt ein grosses Problem im südlichen Afrika, es seien wohl rund 25% der Bevölkerung betroffen.

Die Krankheit ist nach wie vor mit einem Stigma belegt. Die Kranken werden ausgegrenzt, man schweigt und hält sich fern. Es herrscht die Meinung vor, sie bringen den Tod ins Haus. Sie erzählt, dass Aufklärung zwar stattfindet, sich aber schwer gegen die Vorurteile und die Kirche durchzusetzen vermag. So würden zwar kirchliche Hilfswerke Personal und Mittel zur Verfügung stellen, den Mitarbeitern aber verbieten, über den Nutzen und die Anwendung von Kondomen zu sprechen. Man fragt sich, wie viele Menschen ein solches Verhalten schlussendlich das Leben kostet.

Nach Abschluss des Vertrages mit dem Hilfswerk, beschliesst sie zusammen mit einer einheimischen Freundin ein Waisenheim aufzubauen. Die Aufbauarbeit kostet viel Zeit und Kraft, oft wissen die beiden Frauen nicht, wie es weitergehen soll. Die Unterstützung vom Staat ist dürftig, so sind sie auf Spenden und die Hilfe der Bevölkerung angewiesen. Mittlerweile betreuen sie in ihrem Heim 28 Kinder zwischen 1,5 und 13 Jahren. Sie hat das Ziel, allen eine Schulbildung zu ermöglichen, damit sie später im Leben eine Chance haben und nicht in die Kriminalität abrutschen. Sie lebt ganz für ihr Projekt und meint schmunzelnd, mitunter mache sie sich in der Schweiz auch etwas unbeliebt, da sie nicht aufhört, darüber zu reden und zu informieren. Ein wenig kommt sie mir vor wie die Leiterin des Waisenhauses in der Krimiserie «Mma Ramotswe» von Alexander McCall Smith.

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